Barock berauschte Lieder

Carl Michael Bellman



Fotos: Dieter Schnöpf
Thomas Schwarz

Carl Michael Bellman (1740 – 1795)

Carl Michael Bellmanentstammte einer protestantischen Gelehrtenfamilie, die aus Norddeutschland nach Stockholm zugewandert war. Infolge seiner Begabung und Bildung vermochte er schon als 17-Jähriger eine erste literarische Übersetzung vorzulegen, doch sein Studium an der Universität Uppsala brach er rasch wieder ab.

Als Günstling des schwedischen Königs Gustavs III. konnte der musisch vielseitige Entertainer fast sein ganzes Leben ohne gravierende wirtschaftliche Sorgen verbringen. Doch nach der Ermordung des Königs im Jahr 1792 wendete sich sein Schicksal dramatisch, so dass Bellman verschuldet und verarmt erkrankte und früh verstarb.

Wenn Bellman stimmgewaltig auf die Bühne trat, fesselte er sein Publikum mit Esprit und Phantasie. Sprachgewandt und belesen konnte er auf einen breiten Kanon aus Literatur und Religion zurückgreifen. Als Sänger bediente er sich populärer Opernmelodien aus ganz Europa, die er gekonnt neu zusammenfügte und beim Vortrag auf der Cister begleitete.

Die Zeitgenossen Bellmans rühmen übereinstimmend die Improvisationsgabe des Musensohnes: Egal ob der Dichter-Sänger am Hof des schwedischen Königs Gustavs III. oder im Kreis seiner Stockholmer Freunde auftrat, stets begeisterten sein Wortwitz aus dem Stegreif, sein charmanter Gesang und seine phantasievolle Lautmalerei, wenn er mittels Mund und Händen Musikinstrumente imitierte.


Die Inhalte der Lieder und Szenen

Peter HoffmannBellmans trugen ein Übriges zur Euphorie seines Publikums bei. Tabubrüche im Hinblick auf die bürgerliche Sexualmoral oder den rechtschaffenen Lebenswandel beflügelten die Phantasie seiner Zuhörer. Parodien auf die katholische Kirche oder die elitäre Bildung begeisterten ein spöttisches Publikum. Sinnliche Wunschträume und virtuelle Phantastereien zogen seine Fans beiderlei Geschlechts in ihren Bann.

Josef FochtSo können wir uns heute die charismatische Wirkung Bellmans auf der Bühne gut vorstellen – bei der Überlieferung seiner Lieder selbst sieht es aber anders aus: Als der schwedische Anakreon fast am Ende seines gar nicht langen Lebens zwei Sammlungen seiner Lieder – Fredmans epistlar (Fredmans Briefe, 1790, mit 82 Titeln) und Fredmans sånger (Fredmans Gesänge, 1791, mit 65 Werken) endlich in Druck legen konnte, war wenigstens ein Teil seines Repertoires veröffentlicht.

Die beiden Editionen im Stil des protestantischen Generalbass-Lieds regten immer wieder Literaten zu kreativen Übersetzungen und kongenialen Nachdichtungen an. So entstanden im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche deutsche Textstrophen zu den schwedischen Gesängen Bellmans.


Das Hörbuch

Bellman Coverentstand im Sommer und Herbst des Jahres 2011, arrangiert von Michael Lohner, im Zusammenwirken von Josef Focht und Peter Hoffmann (Idee und Konzept), Anna Lohner (Aufnahme und Mischung), Theodore Hofmann (Titelgraphik), Thomas Schwarz (Fotographie und Layout). Die Aufnahme für die Lautensänger Besemfelder-Stiftung fand im Studio der SWW in München statt.



Die Interpreten

Peter HoffmannPeter Hoffmann nennt sich selber Lustspieler, er ist hoffnungslos und ausdauernd mit den Leichten Musen verbandelt. Als Sänger und Rezitator, Spieler und Tänzer ist er seit Jahrzehnten in Kabarett und Märchenstunde, Musical und Maskentheater unterwegs. Sein Herzensanliegen ist es, gut zu unterhalten! Für dieses Programm hat er seine Lieblingsstrophen auf die Melodien Bellmans zusammengestellt und mit eigenen Texten verknüpft, in denen die Figuren der Lieder vorgestellt werden.


Josef FochtAls erfahrener Instrumentalist einer historisch informierten Aufführungspraxis changiert der Gitarrist Josef Focht zwischen den Generalbass-Stimmen der barocken Editionen Bellmans und der reichen Rezeptionsgeschichte seiner Lieder, die in den vergangenen zwei Jahrhunderten tiefe Spuren hinterlassen hat. Hier ist besonders der Nachlass des Lautensängers Oskar Besemfelder zu erwähnen.



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