Lautensänger Oscar Besemfelder - ein Leben für das deutsche Lied


Oscar Besemfelder

Oscar Besemfelder

In Memmingen, wo Oskar Besemfelder am 10. Mai 1893 geboren wurde, ist heute eine Straße nach ihm benannt. Der Sohn einer gutbürgerlichen Familie besuchte hier zunächst die Volksschule und wechselte 1907 ins Landschulheim Schondorf am Ammersee. Dort erkannte eine Lehrerin die musikalische Begabung des übergroßen Jungen mit labiler Gesundheit und begeisterte ihn für die Gitarre, deren Spiel er als Autodidakt erlernte.
Dieses Talent kam im Ersten Weltkrieg nach Abitur und Bankausbildung erneut zum Einsatz, denn Besemfelder erkannte als Sanitäter, wieviel Lebensfreude seine auf dem Instrument begleiteten Lieder vermittelten. Damit hatte er seine Lebensaufgabe gefunden.

Zunächst strebte er eine Karriere als Opernsänger an und begann ein Gesangsstudium in München. Hier begegnete er zwei Persönlichkeiten, die ihn zu dem Künstler werden ließen, als der er heute bekannt ist. Da ist zunächst Heinrich Scherrer, der im Bayerischen Staatsorchester gespielt hatte. Mit eigenen Kompositionen und Bearbeitungen alter Meister warb er für die Wiederbelebung der Lautenspielkunst über die ästhetischen Ansprüche der Wandervogelbewegung hinaus. Bei seinem Schüler Besemfelder erkannte er das geeignete Potential, diese Entwicklung zu fördern. Zugleich brachte er ihn mit dem Münchner Gitarrenbauer Hermann Hauser zusammen, der in langjährigen Experimenten dem Lautenbau neue Grundlagen erschloss und dessen Instrumente heute einen legendären Ruf genießen.

Besemfelder spielte in Zukunft ausschließlich auf Hauser-Lauten; das erste Konzert mit deutschen Volksliedern aus fünf Jahrhunderten fand 1921 im Hotel "Bayerischer Hof" statt. Parallel zur Perfektionierung seiner Technik erar­bei­tete sich der "Konzertsänger zur Laute" ein ansehnliches Repertoire: vom Liedgut bestimmter Berufsgruppen (Minnesänger, Landsknechte und Nachtwächter) über Dichter wie Matthias Claudius und Joseph von Eichendorff bis zu solchen Versen, für die John Meier den Begriff "Kunstlied im Volksmund" geprägt hat. Die Kor­res­pon­denz mit dem Gründer des Deutschen Volksliedarchivs dokumentiert diese For­schungen. Schwabenkantate - zum Vergrößern klicken
Georg Rhee: Oscar Besemfelder
in Ferien auf der Jagdhütte, 1927

Georg Rhee: Oscar Besemfelder in Ferien auf der Jagdhütte, 1927

Zwar steht der deutsche Kulturkreis im Zentrum seines künstlerischen Schaffens, doch zeigen die beiden Liederzyklen mit Werken des Franzosen François Villon (15. Jh.) und des Schweden Carl Michael Bellman (18. Jh.), dass sein Horizont noch wesentlich weiter war. Tourneen mit über 4000 Auftritten führten ihn u. a. nach Nord- und Südamerika, Griechenland und Skandinavien.

Das Anliegen, dem Besemfelder alles unterordnete, wird im Vorwort zur "Schwabenkantate" (erschienen in Potsdam bei Voggenreiter) deutlich: Indem in den Liedgruppen Bekanntes und Unbekanntes mit eigenen Weisen und Zwischenspielen zu einer Form verbunden wurde, hat sich (...) das schwäbische Lied zu einem Abbild des ganzen schwäbischen Wesens verdichtet – aus dem Leben – fürs Leben.

Besemfelder gab selbst auch Unterricht, hinterließ jedoch keine eigentliche Schule. Sein Lebenswerk vertraute er seiner Stiftung an, die der Junggeselle zum Haupterben einsetzte. Er starb am 28. November 1965; seine Urne wurde auf dem Waldfriedhof in Memmingen beigesetzt.

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